Podiumsdiskussion:

Datenspenden, Leben retten? Datenschutz und Digitalisierung auf dem Prüfstand.

Nie zuvor ist das Potenzial digitaler Technologien im Gesundheitswesen so deutlich wie bei der Bekämpfung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 zu Tage getreten. Die Frage nach der Nutzung der Handydaten von BürgerInnen zwecks Untersuchung der Eindämmungsmaßnahmen und Identifizierung möglicher Infektionsketten führt zugleich das immanente Spannungsverhältnis zwischen Gesundheit und Datenschutz eindrücklich vor Augen.

Die enormen Chancen der Digitalisierung beschränken sich keineswegs auf eine derartige Herausforderung wie eine Pandemie. Heutzutage vermögen Gesundheits-Apps und Wearables nicht nur einen gesunden Lebensstil zu unterstützen, sondern auch die eigene Verantwortung im Präventionsbereich zu fördern. Seit dem Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) können nun Apps zur besseren Versorgung von Patientinnen und Patienten ärztlich verschrieben und deren Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen werden.

Der Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen und die damit einhergehende Nutzung bzw. Verarbeitung sensibler Daten durch App-Betreiber und Krankenkassen wirft jedoch viele rechtliche, gesellschaftspolitische und ethische Fragen auf, wie z. B.:

  • Wie wirkt sich der Datenschutz auf die Weiterentwicklung von KI und den Schutz unserer Gesundheit?
  • Wie kann eine datenschutzgerechte Nutzung und Verarbeitung digitaler gesundheitsbezogener Daten garantiert werden?
  • Ist die aktuelle Gesetzgebung z.B. die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU DSGVO) und das Sozialgesetzbuch in der Lage, sensible Daten wie eben Gesundheitsdaten der BürgerInnen vor einem Missbrauch ausreichend zu schützen?
  • Welche Aufsichtsmaßnahmen zur Kontrolle des Datenschutzes stehen zur Verfügung?
  • In welchem Umfang darf die Privatsphäre der BürgerInnen der Gesundheit geopfert werden? Wie lässt sich das gesellschaftspolitisch und ethisch rechtfertigen?
  •  Inwiefern kann die Nutzung digitaler Technologien und gesundheitsbezogener Daten das solidarische Verhalten oder gar die Einstellung gegenüber dem Solidarprinzip in der Krankenversicherung beeinflussen?
  • Wer trägt die ethische Verantwortung im Umgang mit unseren Daten? Der Staat, die App-Betreiber, die BürgerInnen?

Das Forum Sozialversicherungswissenschaft e.V. (FSVW), die Universität Bonn und die Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik (BAPP) laden Sie herzlich ein, diese und weitere Fragen mit Prof. Ulrich Kelber (Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit), Prof. Dr. Remi Maier-Rigaud (Professor für Sozialpolitik und Leiter des Studiengangs B.A. Nachhaltige Sozialpolitik am Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) und weiteren Gästen zu diskutieren. Moderiert wird die Diskussion durch Prof. Dr. Michael Heister (Fachbereich Sozialpolitik und Soziale Sicherung, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und Abteilungsleiter im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)).

Die Veranstaltung findet – unter strenger Einhaltung der zum gegebenen Zeitpunkt geltenden Hygiene- und infektionsschützenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 – am 02.12.2020, von 18.00 bis 19.30 Uhr in der Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik (BAPP), Heussallee 18-24, 53113 Bonn statt.[1]

[1] Als Veranstalter sorgen wir für die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln und für geeignete Vorkehrungen zum Infektionsschutz während der gesamten Veranstaltung.